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Panikattacke nachts – was hilft sofort?

vor 4 Stunden
4 Min. Lesezeit

Es ist 3 Uhr nachts. Du wachst auf, dein Herz rast, du bekommst schlecht Luft, und plötzlich ist da dieser Gedanke: Jetzt ist es so weit. Wenn du das gerade erlebst oder schon einmal erlebt hast: Du bist damit nicht allein. Und vor allem: Du bist nicht in Gefahr.


In diesem Artikel erkläre ich dir, was bei einer Panikattacke passiert und was dir im Moment selbst am besten hilft.


Was passiert bei einer Panikattacke?

Fast immer beginnt es im Körper. Am häufigsten sind Herzrasen und das Gefühl von Atemnot. Dazu kommen oft:


  • Schwindel oder Benommenheit

  • Zittern und angespannte Muskeln

  • ein mulmiges Gefühl im Magen, manchmal Übelkeit

  • Spannungskopfschmerzen


Kurz darauf melden sich die Gedanken: „Jetzt geht es los.“ „Ich schaffe das nicht.“ „Ich werde verrückt.“ „Was, wenn das nie aufhört?“ Viele erleben echte Todesangst.


Und genau hier liegt der Haken: Diese Katastrophengedanken versetzen den Körper noch stärker in Alarm. Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flacher, und die Gedanken werden noch dramatischer. Dieser Kreislauf heißt Teufelskreis der Angst. Er fühlt sich an, als würde er sich endlos steigern, bis du zusammenbrichst. Das passiert aber nicht.


Warum dein Körper das macht

Eine Panikattacke ist eigentlich ein uralter Überlebensmechanismus : : die Kampf-oder-Flucht-Reaktion. Stell dir vor, vor dir steht ein Tiger. Dein Körper pumpt sofort Energie in Herz, Lunge und Muskeln, damit du kämpfen oder weglaufen kannst. Das ist sinnvoll und kann im echten Notfall Leben retten.

Bei einer Panikattacke springt dieser Alarm an, obwohl kein Tiger da ist. Du liegst im Bett, du bist in Sicherheit, aber dein Körper reagiert, als wärst du in Lebensgefahr.


Warum gerade nachts?

Nächtliche Panikattacken reißen dich meist direkt aus dem Schlaf, oft wenige Stunden nach dem Einschlafen. Sie entstehen typischerweise aus dem Tiefschlaf und nicht aus einem Albtraum. Deshalb wirken sie, als kämen sie aus dem Nichts. Sie folgen aber denselben Regeln wie jede andere Panikattacke und sind genauso ungefährlich.


Der wichtigste Satz zuerst

Sag dir innerlich, am besten wörtlich:

„Das ist eine Panikattacke. Sie fühlt sich schrecklich an, aber sie ist nicht gefährlich. Sie geht gleich von allein vorbei.“

Das ist kein Wunschdenken. Für körperlich gesunde Menschen ist eine Panikattacke sehr unangenehm und anstrengend, aber nicht gefährlich.


Soforthilfe: Das kannst du jetzt tun

1. Richtig atmen Bei Panik atmen wir schnell und flach. Dadurch gerät das Gleichgewicht im Blut durcheinander, und Schwindel und Kribbeln werden stärker. Mach es deshalb so:


  • Atme langsam durch die Nase ein, in den Bauch.

  • Atme durch leicht geöffnete Lippen wieder aus.

  • Atme länger aus als ein, zum Beispiel 4 Sekunden ein und 6 bis 8 Sekunden aus.


Das lange Ausatmen spricht den Vagusnerv an, also den Teil deines Nervensystems, der für Ruhe und Erholung zuständig ist. Je mehr dieses Ruhesystem übernimmt, desto weniger Raum bleibt für den Alarm.


2. Den Körper spüren (Grounding) Setz dich auf, stell beide Füße auf den Boden und drücke sie bewusst hinein. Spüre die Matratze, die Decke, deine Hände. Das holt dich aus dem Kopf zurück in den Moment.


3. Die Angst messen Frag dich: Wie stark ist meine Angst gerade auf einer Skala von 1 bis 10? Frag dich nach ein paar Minuten noch einmal. Du wirst merken, dass die Zahl sinkt.


4. Den Kopf ablenken Gib deinem Gehirn eine Aufgabe, die Konzentration braucht:


  • Zähle von 100 in Dreier- oder Siebenerschritten rückwärts.

  • Oder mach die 5-4-3-2-1-Übung: Nenne 5 Dinge, die du siehst, 4, die du hörst, 3, die du spürst, 2, die du riechst, und 1, die du schmeckst.


Ablenkung ist eine gute Notbremse für den Moment. In der Therapie lernst du später, die Angst auch ohne Ablenkung durchlaufen zu lassen. Erst dann erlebt dein Gehirn wirklich, dass nichts passiert.


Die Angstkurve: Warum du nur abwarten musst

Angst verläuft wie ein Berg mit einer Spitze, ungefähr wie der Fuji. Sie steigt an, erreicht meist innerhalb von etwa 10 Minuten ihren Höhepunkt und flacht dann ganz von allein wieder ab. Die meisten Panikattacken sind nach 10 bis 30 Minuten vorbei. Du musst nicht gegen sie kämpfen, denn das kostet nur zusätzlich Kraft. Du darfst sie einfach durchlaufen lassen.


Der größte Irrtum

Der größte Irrtum ist der Gedanke, gleich zu sterben oder dass gleich etwas Schlimmes passiert. Genau dieser Gedanke hält den Teufelskreis am Laufen. Sobald du ihm nicht mehr glaubst, verliert die Panik einen Großteil ihrer Kraft.


Wichtig: Wenn du solche Beschwerden zum ersten Mal hast, lass sie einmal ärztlich abklären. Bei starken Brustschmerzen, die nicht nachlassen, ruf den Notruf 112.


Wann du dir Unterstützung holen solltest

Am besten so früh wie möglich. Angst hat die Tendenz, sich selbst zu verstärken, vor allem durch Vermeidung. Wer aus Angst vor einer Panikattacke nicht mehr in den Supermarkt geht, fühlt sich kurz erleichtert. Beim nächsten Mal ist die Angst aber größer. Dann kommen Bus und Bahn dazu, später Arbeit, Kino oder Restaurant. Im schlimmsten Fall verlässt man kaum noch das Haus.


Die gute Nachricht: Angst und Panik lassen sich in der Regel gut behandeln. Je früher du anfängst, desto weniger festigen sich die Muster in deinem Nervensystem.


Du willst deine Panikattacken in den Griff bekommen?

In meiner Privatpraxis in Stuttgart-Ost begleite ich Menschen mit Angst und Panik, vor Ort oder per Video. Termine gibt es meist kurzfristig, auch abends nach 18 Uhr. Behandlung für Selbstzahler und Privatversicherte.





 
 
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