Ist eine Panikattacke gefährlich?
Wer schon einmal eine Panikattacke hatte, kennt dieses Gefühl: Das Herz rast, die Luft wird knapp, und irgendwo im Kopf ist die Gewissheit, dass gleich etwas Schlimmes passiert. Viele landen beim ersten Mal in der Notaufnahme, weil sie sicher sind, einen Herzinfarkt zu haben.
Die gute Nachricht vorweg: Für körperlich gesunde Menschen ist eine Panikattacke nicht gefährlich. Sie ist extrem unangenehm und anstrengend, aber sie richtet keinen körperlichen Schaden an. Genau dieser Irrtum, dass Lebensgefahr besteht, ist übrigens das, was die Panik am Laufen hält.
Schauen wir uns die sechs häufigsten Ängste einmal ehrlich an.
1. „Ich bekomme einen Herzinfarkt“
Herzrasen und Druck in der Brust sind bei Panik völlig normal. Dein Herz arbeitet schneller, weil der Körper sich auf Kampf oder Flucht vorbereitet. Ein gesundes Herz ist genau dafür gebaut: Beim Sport schlägt es oft noch schneller, und niemand hat Angst davor. Das Herz rast bei Panik, weil es funktioniert, nicht weil es versagt.
2. „Ich ersticke“
Das Gefühl von Atemnot ist bei Panik sehr real, aber du bekommst genug Sauerstoff. Im Gegenteil: Meist atmest du zu schnell und zu viel, das nennt man Hyperventilation. Dadurch sinkt der Kohlendioxidgehalt im Blut, und genau das führt zu Schwindel, Kribbeln und dem Gefühl, nicht richtig durchatmen zu können.
Dein Körper sorgt außerdem selbst dafür, dass du weiteratmest. Ersticken an einer Panikattacke ist nicht möglich.
3. „Ich falle in Ohnmacht“
In Ohnmacht fällt man, wenn der Blutdruck plötzlich stark absinkt. Bei Panik passiert das Gegenteil: Der Blutdruck steigt. Deshalb fallen Menschen bei einer Panikattacke so gut wie nie in Ohnmacht, auch wenn sie sich schwindelig und wackelig fühlen.
Eine Ausnahme gibt es: Menschen mit einer Blut- oder Spritzenphobie können beim Anblick von Blut tatsächlich kurz ohnmächtig werden. Das ist aber ein anderer Mechanismus als bei einer Panikattacke.
4. „Ich werde verrückt“
Viele haben während einer Attacke das Gefühl, neben sich zu stehen oder dass die Welt unwirklich ist. Das fühlt sich unheimlich an, ist aber eine bekannte, harmlose Reaktion auf extremen Stress. Eine Panikattacke löst keine Psychose aus, und du verlierst nicht den Verstand.
5. „Ich verliere die Kontrolle“
Die Angst, plötzlich etwas Unkontrolliertes zu tun, zu schreien oder durchzudrehen, ist sehr verbreitet. In der Realität passiert das nicht. Auch während einer Panikattacke bist du handlungsfähig und weißt, was du tust, selbst wenn es sich nicht so anfühlt.
6. „Das hört nie mehr auf“
Jede Panikattacke geht vorbei. Ausnahmslos. Die Angst erreicht meist innerhalb von etwa 10 Minuten ihren Höhepunkt und klingt danach von allein wieder ab. Dein Körper kann diesen Alarmzustand gar nicht dauerhaft aufrechterhalten.
Wann du ärztlich abklären lassen solltest
So beruhigend das alles ist: Beim ersten Auftreten solcher Beschwerden gehört eine ärztliche Untersuchung dazu. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion, Herzrhythmusstörungen oder sehr viel Koffein können ähnliche Symptome machen.
Ruf sofort den Notruf 112, wenn starke Schmerzen in der Brust nicht nachlassen, in Arm, Kiefer oder Rücken ausstrahlen oder du dir unsicher bist. Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.
Wenn du eine bekannte Herzerkrankung hast, besprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, wie du Panikattacken und Herzbeschwerden unterscheiden kannst.
Ungefährlich heißt nicht harmlos
Eine einzelne Panikattacke schadet dir nicht. Wiederkehrende Panikattacken können dein Leben aber trotzdem stark einschränken. Viele beginnen, Orte und Situationen zu meiden, in denen sie schon einmal Panik hatten. Erst den Supermarkt, dann die Bahn, irgendwann vielleicht die Arbeit. Die Welt wird Schritt für Schritt kleiner.
Deshalb lohnt es sich, früh etwas zu tun. Panikattacken lassen sich in der Regel gut behandeln, und je früher du anfängst, desto weniger kann sich die Angst festsetzen.
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